Sport frei Michi

6

Vietnam Mountain Marathon 2017 …

… ab und an gibt es komisch Zufälle, wie passende Trailschuhe, Lottogewinne oder Läufe in mitten des Urlaubes am Ort des Urlaubes … verrückt. Wie es also der Zufall wollte, war ziemlich genau in der Mitte unseres Vietnam Urlaubes der Vietnam Mountain Marathon (VMM), der dieses Jahr zum 5. Mal ausgetragen wurde. Der Austragungsort ist das Hochland um die Stadt Sapa im Norden des Landes. Mit ca. 2500 Startern war der VMM2017 auf den Distanzen 21km, 42km, 70km und 100km ausverkauft. Die Hauptläufe waren am Samstag, der 100k startete am Freitagabend und es gab zusätzlich noch eine 10km Strecke am Sonntag, die für einheimische Läufer kostenlos war – klasse Sache 😉

bắt đầu …

… zu Deutsch der „Start“. Für meine Distanz, den Marathon, war dieser 7:30 Uhr und pünktlich 6:45 Uhr ging es in Shuttle-Bussen genau dort hin. Für den Startbereich wurde einfach eine Straße für den Verkehr gesperrt, was die Verkehrsteilnehmer allerdings nicht groß zu stören schien, die warteten einfach geduldig und schauten verblüfft. Pünktlich fiel der Startschuss und 282 Läufer setzten sich zur Musik von den Jackson 5 in Bewegung. Das war Motivation pur: so schnell wie möglich weg von dem Song. Nach einem kurzen Anstieg ging es auch gleich in den ersten Downhill. Am Anfang versuchte ich noch meine Schuhe trocken zu halten, unmöglich, das Wasser von den Bergen läuft alle Wege hinunter und macht eine Trailrutsche aus jedem Stein und jeder Wurzel. Überholen? Fehlanzeige, daher blieb das vordere Läuferfeld auch noch eng zusammen, was sich dann aber im ersten längeren Anstieg änderte. Hier öffnete sich zum ersten Mal der Dschungel und offenbarte einen wundervollen Weitblick auf die Felder, die Reisterrassen der Bauern und ihre kleinen Dörfer, die der morgendlich Nebel langsam freigab. Die Trails waren meist schlammig und tief hatten aber etwas stabilere Stufen ähnlich wie Höcker auf denen man ganz gut laufen konnte. Das ging so bist zur zweiten Verpflegungsstation, die wir nach ca. 14 Kilometern erreichten. Ab hier veränderte sich der Charakter der Strecke, die nun hauptsächlich durch Reisfelder führte, deren Ränder stabil waren, sodass das Wasser für die Pflanzen gedämmt und die Bauern darauf von Feld zu Feld laufen konnten. Die Ränder waren häufig nicht breiter als ein Fuß, also ein wirklicher Balanceakt selbst mit Stöcken. Die Sonne stand mittlerweile etwas höher am Himmel und machte sich deutlich bemerkbar. Die Feuchtigkeit der Felder, die langsam aufstieg, hätten jeden Saunisten zumindest ein kleines Lächeln auf die Lippen gezaubert. Ich versuchte mich bei jeder Möglichkeit mit Wasser abzukühlen. Das gelang mir dank Buff, Mütze, Bächen, Wasserfällen, Wasserflaschen und Wasserschläuchen in den Dörfern auch ganz gut.

Die Halbmarathon-Marke …

.,.. war zugleich der Start für die Halbmarathonis. Die Mädels & Jungs müssen kurz vor mir gestartet sein, da alles noch aufgebaut war. Ab hier hieß es steinige Wege und Asphaltstraßen. Das Marathonfeld musste mittlerweile ziemlich auseinander gezogen sein, da seit längerem keine Läufer mit orangen Nummern aufgetaucht waren. Ich hatte kein Gefühl an welcher Position ich mich befand und meine vorherige Gruppe war irgendwo hinter mir. Ich lief ein Stück mit Graham Knight dem Führenden der 70 Kilometer. Das war für mich sehr interessant, da man … also jedenfalls ich … nicht häufig in diese Situation kommt und an der Spitze eines Ultras mitläuft. Wir waren meist gleich auf. Graham ging jeden kleinsten Anstieg und lief sobald es flach wurde. Der nächste Aufstieg zu Checkpoint 6 war eine kleine Asphaltstraße und wurde für uns zum Hindernislauf, da wir ständig wandernden Halbmarathonläufern und ihren Selfiesticks ausweichen mussten. Der technische Part der Strecke war vorbei, bis auf den letzten Anstieg sollte es nur noch auf Asphalt bzw. Schotter in Richtung Ziel gehen. Was bei meinem rechten Knie nicht gerade Begeisterung hervorrief. Jeder kleinste Downhill wurde zur Qual und jeder Schritt war wie ein Nadelstich. Ich muss wohl sehr lustig ausgesehen haben mit meinem Downhill-Stechschritt-Style. Graham wirkte mittlerweile sehr geschafft und versuchte mich noch vor dem letzten Anstieg zu warnen, was ich aber nicht so richtig verstanden habe. Vielleicht war ich auch sehr geschafft und habe sein bestes Englisch, was man von einem Briten ja erwarten kann, nicht mehr richtig verstanden. Jedenfalls hat er mich genau dort endgültig abgehängt 😀

Meinem Knie gefielen die letzten Höhenmeter im Dschungel aber richtig gut und ich freute mich auf das Ziel und meine Zeit, denn jetzt war klar, dass ich meine angestrebten 6h Stunden unterbieten werde. Was könnt schöner sein? Wenn sich der Dschungel öffnet, man einen atemberaubenden Blick auf ein wunderschönes Tal eines fernen Landes bekommt und man das Privileg hat hier Laufen zu dürfen. Das war mein Vietnam Mountainmarathon 2017, den ich als 10. gesamt mit einer Zeit von 5:35:53 Sekunden überglücklich in den Armen meiner Freundin beendete. Na ja, zumindest habe ich einen kurzen Kuss bekommen, was ich nach 42 Kilometern in dieser Hitze gut verstehen kann. 😉 #SportFrei

Verpflegung

An allen Stationen/Checkpoints (ca. alle 7km) kümmerten sich unzählige Helfer um unser Wohl. Es gab überall Bananen, Wassermelone, Honigmelone, Wasser und Revive (ISO-Getränk). Ich hatte selbst noch zusätzlich Power-Bar Gels und Clifbar-Drops dabei, was bei der Hitze auch gut so war. Auf Salztabletten & Magnesium habe ich durch die Gels verzichtet. An jedem Checkpoint befand sich das Höhenprofil und die Kilometeranzahl bis zur nächsten Station sowie die Kilometer bis zum Ziel, die auch gestimmt haben. 

michi • 4. Oktober 2017


Previous Post

Comments

  1. Philipp 5. Oktober 2017 - 7:36 Reply

    Herzlichen Glückwunsch. Top Platzierung und geile Fotos.

    Vg
    Philipp

    • michi 5. Oktober 2017 - 11:04 Reply

      Danke Phil, wird Zeit, dass wir mal wieder was zusammen starten 😉 Ich drück euch die Daumen für München.

  2. Markus 5. Oktober 2017 - 10:30 Reply

    Hört sich nach einem klasse Abenteuer an! Ein schöner Wettkampfbericht!

    • michi 5. Oktober 2017 - 11:07 Reply

      Hi Markus, vielen Dank 😉 Das war es und ich kann dir Vietnam ruhigen Gewissens für deine Bucket-List empfehlen. Viele Grüße, Michi

  3. Jochen Hauser, exito Gipfelstürmer 22. Oktober 2017 - 10:39 Reply

    Servus Michi, ich beobachte mit großer Freude und Begeisterung deinen scheinbar immer weiter zunehmenden Trail-Enthusiasmus! Starke Leistung und sehr coole Fotos. Weiter so 😉 Schöne Grüße, Jochen

    • michi 24. Oktober 2017 - 10:36 Reply

      Hi Jochen, vielen Dank und genau dabei sind die Exito-Gipfelstürmer natürlich eine Inspiration 😉 Viele Grüße an selbige

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published / Required fields are marked *

%d Bloggern gefällt das: