Sport frei Michi

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PAGT 2017 – Pitztal Glacier Marathon …

… gut eine Woche ist es mittlerweile her. Ich liege auf der Couch, genau da, wo ich die meiste Zeit in den letzten sieben Tage verbracht habe. Es regnet, zum Glück, ansonsten wäre es noch schwieriger. Schuld daran ist dieses wunderschöne Event im Pitztal, dass dieses Jahr seinen 5. Geburtstag gefeiert hat und ca. 900 Trailläufer haben sich auf die Gästeliste geschrieben. Kein Wunder, denn es war auch für jeden von 100 bis 15k etwas dabei.  Auf meiner Geburtstagseinladung standen 42K mit ca. 3000 Höhenmeter. Wie gut, dass ich mal wieder spontan zugesagt und mich später erst mit dem Partyablauf beschäftigt habe 😉 Die Party konnte also losgehen … 5 Uhr morgens … in Worten: FÜNF Uhr morgens …

Frühsport …

… Peng und schon starteten 138 Läufer in den ersten Streckenabschnitt mit 16 Kilometern, 1400 Höhenmeter, einer Gletscherquerung und wunderschönen Ausblicken auf das wolkenverhangene Tal. Das erste Teilziel war die Scharte des Mittagskogel auf 3070 Metern über dem Meeresspiegel und so schlängelte sich eine lange Lichtschlange durch das bergige Gelände in Richtung Muttler. Da es in der Nacht zuvor geregnet hatte, war das Gelände im unteren Bereich sehr schlammig und in der Dämmerung oft schwer einzuschätzen. Ich suchte mir eine Gruppe mit sehr viel Lumen auf dem Kopf und kam schnell in meinen Rhythmus. Das Feld zog sich bereits jetzt ziemlich auseinander. Die NUR 7 Kilometer zur Scharte waren die bisher anstrengendsten meiner jungen Trailkarriere und unterhalb des Mittagskogel, unterhalb des letzten Anstieges hoch zur Scharte, war mir unklar, wie ich die restlichen 35 Kilometer schaffen sollte. Das Positive war, dass ich genügend Zeit hatte darüber nachzudenken, während ich mich Schritt für Schritt weiter empor kämpfte. Nach ca. 2 Stunden stand ich dann endlich auf dem höchsten Punkt der Strecke und konnte in den Downhill gehen. Gehen trifft es ziemlich genau, denn meine Beine mussten das Laufen erst wieder lernen. Der nächste Höhepunkt war die Gletscherüberquerung, bei der Spikes Pflicht waren. Anfangs etwas unbeholfen, lief dann doch ganz gut und der Spaß gab mir Kraft für den weiteren Weg zur Brauenschweiger Hütte. Dort kreuzte ich den morgendlichen Beutezug der Hüttenkatze, die natürlich kurz gestreichelt werden musste aber kein großes Interesse an den heroischen Taten dieser kunterbunten Menschen signalisierte 😉 Geerdet stolperte ich den restlichen Downhill nach Mandrafen hinunter. Nach vier Stürzen, einem aufgeschlagenen Knie und Ellenbogen und einem kurzen Abstecher abseits des Weges (Martin, ich schulde dir was 😉 ) kam ich nach 17 Kilometern kurz vor dem 9 Uhr Start der 42K (Rifflsee) & 26K & 15K Läufer an.

Frühsport Runde 2: Rifflsee …

… ging ich direkt nach einer kurzen Kunddelpause mit meiner Freundin, die mit Simone (15k), Martina (26k), Wolfgang (15k) & Philipp (26k) auf den Start der anderen Läufe gewartet hat. Sie war sehr überrascht mich zu sehen, sie dachte ich wäre schneller … ich auch 😀 Es war noch möglich die Spikes abzugeben und schon ging es wieder aufi auf die Sunna Alm (2300 Meter). Ich orientierte mich an einem Vorläufer (Martin), fand meinen Rhythmus und langsam fraßen wir Höhenmeter für Höhenmeter. Der Aufstieg fiel mir etwas leichter, da immer kleinere Läufe auf den flachen Passagen möglich waren, man einen wunderschönen Ausblick ins Tal und auf die Berge hatte und ich in der Lage war diese auch zu genießen. Auf der Alm wurde ich schon von Resi empfangen und an der Labe konnten wir uns noch kurz unterhalten. Da ich schon leicht krampfte füllte ich meine Softflask bis oben hin mit einer grünen Flüssigkeit auf der Magnesium stand, schließlich musste ich die nächsten 14 Kilometer ohne Krampf überstehen. Der Rifflesee lag nun direkt in Wolken gehüllt vor uns und lud uns zum vermeintlich leichteren Teil der Strecke ein. Das Läuferfeld war nun bunt durchgemischt, was in gewisser Weise erfrischend war auch wenn man häufig schnellere Teilnehmer passieren lassen musste. Erfrischen sollte mich eigentlich auch mein Getränk, doch das Gegenteil war der Fall. Die grüne Flüssigkeit war Magnesium-Konzentrat, was ich die letzten Kilometer unverdünnt getrunken hatte. Mein Magen war nicht sehr glücklich darüber und hat ca. bei Kilometer 30 den Dienst eingestellt. Ab da konnte ich nur noch Wasser trinken, alles andere verursachte … sagen wir … Übelkeit 😉 Also gingen die Kalkulationen los: Wie lange werde ich noch brauchen? Es sind noch 12 Kilometer und nur noch zwei bis zum Taschachhaus und dann nur noch bergab. Sollte machbar sein, doch die letzte Labe kam und kam nicht. Martin, mit dem ich immer noch zusammen war, ging es auch nicht mehr so gut und er hatte wohl bei jedem größeren Schritt Schmerzen. Wie gut, dass ich „etwas“ Magnesiumüberschuß hatte (Martin, wir sind quitt 😉 ). Er ist auch davon ausgegangen, dass bei Kilometer 32 die Labestation kommt und hatte keinerlei Getränke mehr bei sich. Da kam uns ein Getscherfluss sehr gelegen und mittlerweile konnten wir auch das Taschachhaus sehen. Uns trennte nur noch eine „kleine“ Scharte, die sich zu einem Monster mauserte und mich an meine Grenzen brachte.

Mittagsrunde nach Mandarfen …

… stand, nach dem ewigen Kampf mit dieser Monsterscharte, nur noch an. Nur noch … von meinen ursprünglichen Plänen hier noch etwas herauszuholen war ich abgekommen. Ankommen, es ging nur noch ums Ankommen. Am Taschachhaus hieß es noch 9 Kilometer, wir waren schon bei Kilometer 38 und schwups befand ich mich in meinem dritten Ultra. Kurz noch Theresa angerufen und gesagt, dass es etwas später wird, einen halben Liter Maracuja-Saft getrunken, der in meinem Softflask zu dem ich gerade den Stöpsel verloren hatte, die Kopfhörer aufgesetzt und losgelaufen. Scheinbar hat der Saft Wunder gewirkt, denn ich konnte noch etwas Pace machen bis ich von meinen Freunden an der Strecke empfangen wurde. Von dort aus konnte ich das Ziel schon sehen, was ich nach 8:22:07 als 35. total erschöpft aber extrem zufrieden überquert habe.

Ausrüstung:

Die Pflichtausrüstung ist meiner Meinung nach für den Gletscher Marathon zu viel. In Absprache mit dem Veranstalter habe ich eine lange Unterhose und den Ersatzakku für die Stirnlampe nicht mitgenommen. Als langer Pulli wurden auch Armlinge akzeptiert, die ich gleich beim Start trug. Ich bin ohne Stirnlampe losgelaufen, da das Licht der anderen Läufer im ersten Waldstück ausreichte und danach das Morgengrauen den Trail freigab. Insgesamt hatte ich 6 Gels und 2 Clif Blocks mit dabei. Die Verpflegungsstation lassen wirklich keine Wünsche offen.

Vielen Dank an alle Menschen, die bei diesem Event mitgewirkt und es zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. Bis auf die Kilometerangaben kann man nichts verbessern. Vielen Dank an das Pitztal, einfach weil es so schön ist und vielen Dank an meine Begleiter und Freunde, ohne euch wären diese Abenteuer nicht das was sie für mich sind 😀

So denn … #SportFrei

michi • 14. August 2017


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Comments

  1. Stefan 14. August 2017 - 15:10 Reply

    Mal wieder ein sehr schöner Laufbericht, Michi! Congratulations & bis bald, Stefan

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