Sport frei Michi

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Istria made Michi Ultra …

… und ich kann nur sagen: „Vielen Dank“ 😀 und muss schon wieder über beide Ohren grinsen. Also ist die Katze schon aus dem Sack, Bodo und ich haben es geschafft. Vor ca. einer Woche sind wir nach 10:19:irgendwas gemeinsam in Umag unter den 6 großen weissen Buchstaben F-I-N-I-S-H durchgelaufen und wurden von den Zuschauern und Helfern gefeiert. Für uns beide wird das wohl …

A run to remember …

… da wir beide noch nie jenseits der 50k und 2000hm unterwegs waren. Noch nie mussten unsere Körper solche Leistungen vollbringen, noch nie waren wir 10 Stunden auf den Beinen, noch nie war mir die Zeit so egal, noch nie habe ich jemanden mit so einen starken Willen gesehen wie Bodo und noch nie war ich auf ein gemeinsames Finish so stolz. Anm. der Redaktion: bis auf das erste Halbmarathon-Finish meiner Freundin, was aus dramaturgischen Gründen hier unterschlagen wird 😀

Los ging’s …

… um 7 Uhr in Bussen von Umag nach Buzet, 6:50 Uhr bemerkte ich, dass ich meine Stöcke im Hotel vergessen habe, gegen 8 Uhr waren wir am Start, wo wir 9 Uhr auf die Strecke geschickt wurden. In Umag haben wir noch kurz mit Landsmann Johannes Klein sprechen können, DEM Favoriten für den Green Course. Johannes war super sympathisch und so entspannt, wie wir vor einem Zehner … Trainingslauf … Startschuß und los. Wir blieben anfänglich im ersten Drittel des Feldes, was gleich eine ziemliche Geschwindigkeit aus den Trailsohlen holte. Bis zur ersten Verpflegungsstation galt es 600 Höhenmeter auf 10 Kilometern zurückzulegen. Bereits hier habe ich meine Stöcke vermisst und mir Gedanken gemacht, wie ich Bodo klarmache, dass ich das Tempo vermutlich keine 69 Kilometer halten kann. Der Weg nach VRH führte durch eine wunderschöne Landschaft auf Wirtschaftswegen und größeren Trails, die immer wieder kleine Flüsse querten.

Fortschritt durch Nahrung …

… daher teile ich für mich die Strecke wieder nach Verpflegungsstationen ein. Bodo errechnete den prozentualen Anteil der Strecke, die er bereits zurückgelegt hatte. 50% klingt besser als 39,5 Kilometer. Ab einer gewissen Distanz ist mein Hirn allerdings nicht mehr in der Lage solche mathematischen Meisterleistungen zu vollbringen, daher bleibe ich bei meinen Verpflegungsstationen. Erstens gibt’s da immer was Leckeres und zweitens kann ich sie – meist – an einer Hand ablesen. Apropos was Leckeres, die Versorgung hat keine Wünsche offen gelassen und fast alle Stationen waren sehr gut und mit Liebe bestückt (Wasser, Cola, Iso, Salz, Süßigkeiten, Brot, Nutella, Schinken, Kaffee (auf Anfrage), Red Bull, …). Wir waren also schon mitten in der …

… ersten Halbzeit …

… und der nächste Downhill bescherte uns sehr früh einen Blick auf den Jezero Butoniga, einem Stausee, dessen Staumauer wir im weiteren Streckenverlauf noch überqueren sollten. Die Downhills fühlten sich sehr gut an und wir konnten hier immer ein paar Plätze gut machen. Gleich nach dem See gab es dann noch mal eine Stärkung und nach einem flachen Teilstück stand uns schon der größte Anstieg mit 400 Höhenmetern bevor. Wir waren sehr gut in der Zeit und eine „Sub 9“ war durchaus realistisch. Bei dem Aufstieg nach Zamask setzte ich mich von Bodo etwas ab, was ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht überbewertete. Die Sonne forderte mittlerweile ihren Tribut und so kam ich zu folgender Feststellung:

Auf dem Gipfel nahmen wir uns eine kurze Auszeit zum Abkühlen an einem Brunnen und gingen wieder verhältnismäßig schnell den Downhill an. Die Vorfreude auf die Halbzeit 3 von 6 Verpflegungsstationen, 50 Prozent und die letzten größeren Anstiege trieb uns voran. Der kleinere Aufstieg nach Motovun sollte also kein Problem werden … sollte … nach der Hälfte drehte ich mich um und konnte Bodo nicht mehr sehen. Ich beschloss weiterzugehen und im Schatten zu warten. Als Bodo kam, konnte ich ihm seine Erschöpfung bereits ansehen. Er hatte ein kurze Regenerationspause eingelegt und war deshalb etwas abgeschlagen. Motovun war wunderschön, die Verpflegungsstation war auf dem Marktplatz, auf dem jeder Läufer gefeiert wurde. Im Zelt gab es dann viel RedBull, ein Nutella-Brot und etwas Schinken … was jetzt irgendwie nach einer Schwangerschaftskombination klingt, uns zu diesem Zeitpunkt aber als sehr delikate Zusammenstellung vorkam. Das mit den RedBull-Flügeln funktionierte dann auch wirklich, Bodo ging es besser und wir konnten im Laufschritt die hart erarbeiteten Höhenmeter wieder kaputt machen.

Second Half: FIGHT

Der Zungenbrecher Oprtalj war unser nächstes Ziel sowie der letzte größere Aufstieg, welcher uns dann auch den sehr viele Kraft gekostet hat. Wir kamen nur langsam voran, mussten gehen und waren immer wieder gezwungen Pausen einzulegen. An diesem Hügel wurden alle zeitlichen Ambitionen verworfen, es ging uns nur noch darum gemeinsam ins Ziel zu kommen, wann auch immer. Ab Kilometer 30 mussten wir uns also jeden Höhenmeter als auch später jeden Meter hart erkämpfen. Bodo hat hier Herausragendes geleistet, was nur noch durch seinem Willen überboten wurde. Irgendwann fällt einem jeder Schritt einfach nur schwer, jede Bewegung tut weh und du fragst dich, warum du das hier eigentlich machst. Wenn das bereits bei der Hälfte des Rennens so ist und man dennoch nicht aufgibt, muss man schon sehr großen Kämpfergeist haben. Das hat mich mehr beeindruckt als irgendeine Zielzeit und es war mir ein Ehre ein Teil davon zu sein.

Unser nächstes Ziel war der Marathon, ab diesem Punkt würden wir „nur noch herunterlaufen“ müssen. Bald merkten wir, dass „nur noch herunterlaufen“ praktisch mehr weh tut als man sich das in der Theorie so vorstellen kann. Also gingen wir, trafen Läufer, danach liefen wir wieder, trafen dieselben Läufer, gingen, träfen diese wieder und überwanden so einige Kilometer. Kurz vor Verpflegungsstation 5 hatte ich dann kurz Kreislaufprobleme und mir wurde schwindelig. Ich versucht das mit einem Gel in den Griff zu bekommen, was rein gar nichts brachte. Wir näherten uns der 50k Grenze, noch nie bin ich länger gelaufen und jetzt spielt mein Kreislauf nicht mit. Von jetzt auf dann kann sich alles ändern. Bei der Verpflegungsstelle habe daher meine Fastenvorsätze (keine Schoki) über den Haufen geworfen und eine halbe Tafel Schokolade gegessen. Ein Helferin brachte mir noch Eis um meinen Kopf zu kühlen, was einen neuen Michi hervorbrachte. Ich fühlte mich wieder gut oder das was man nach 47 Kilometern mit ca. 2200 Höhenmeter als gut bezeichnen würde. Von diesem Moment an war mir klar, dass wir es schaffen werden und beide länger als je zuvor laufgehen würden. Wir näherten uns also langsam dem …

… Finish …

… und wenn wir auch viel gegangen waren, den letzten Kilometer wollten wir laufen. Also mobilisierten wir alle Kräfte und liefen in Umag ein. Kurz vor dem Ziel konnte ich Resi schon winken sehen und rufen hören. Jetzt hatten wir es geschafft, ein kurzer Kuss und eine letzte Kurve und rein in einen Tunnel voller Zuschauer. Nach 10 Stunden und 19 Minuten liefen wir gemeinsam unter dem lang ersehnten Zielbogen hindurch und hatten es geschafft … gemeinsam 😉

Salzmann

Boris der Salzmann

Unterwegs habe ich einen alten Bekannten getroffen, den wir nun alle liebevoll den Salzmann nennen. Als ich ihm letztes Jahr beim Jahorina Trail erzählte, dass ich etwas schwere Beine habe, war er sehr erschrocken, dass ich kein Salz dabei hatte. Ich dann plötzlich auch und da ich noch nie während eines Laufs Salz genommen hatte und natürlich schon von der Wasservergiftung gehört hatte, bin ich ihm nicht mehr von den Hacken gegangen.

Ausrüstung

Ich habe mich für den Peregrine 6 von Saucony entschieden und es nicht bereut. Für das Gelände war es die richtige Entscheidung, da die meisten Anstiege wie auch die Downhills sehr selten richtig „trailig“ waren und der Peregrine ein perfekte Allrounder ist. Dabei hatte ich noch 1,5 Liter Iso-Getränk im Trinksystem meines Nathan Vapor Cloud und eine 750ml Trinkfalsche für die Versorgungsstationen. Beides war bei dem Wetter perfekt und am Ende war die Blase fast leer. Für die Pflichtausrüstung (Jacke, Verbandszeug, Pfeife) hätte es auch ein kleinere Laufweste getan, aber ich habe keine 😉 Stirnband oder Mütze sind bei den Temperaturen (20 Grad) Pflicht. Ansonsten habe ich zwei „Seitenbacher Energie Bomben“ gegessen, eine Salztablette genommen und 5 PowerBar Gels gedrückt, was mir mein Magen am Tag darauf mit Totalausfall quittiert hat. Hier werde ich beim nächsten Mal etwas Natürliches bevorzugen.

Istrien war eine ganz besondere Erfahrung, die Strecke, die Helfer, die Zuschauer und die Läufer machen „Istria 100“ zu einem wundervollen Erlebnis, was ich jedem nur ans Herz legen kann. Vielleicht sieht man sich ja nächstes Jahr am Start 😉 …

… bis dahin #SportFrei

michi • 17. April 2017


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Comments

  1. Tobias 17. April 2017 - 22:32 Reply

    Da bleibt mir nur ein Wort: RESPEKT!!!!

  2. Trailbirdie 14. Mai 2017 - 18:33 Reply

    Super! Gratulation zu eurer Leistung ☺️? diese Veranstaltung steht auch auf meiner bucket list. Übrigens, ich laufe auch gern von einem VP zum nächsten.? das tolle bei Trails ist, dass es dort wirklich was zu futtern gibt! LG aus Österreich und noch weiterhin viel Spaß bei deinen Abenteuern

    • michi 15. Mai 2017 - 8:51 Reply

      Vielen Dank Astrid, der Appetit treibt uns von VP zu VP 😉 Wenn du für nächstes Jahr noch irgendwelche Tipps brauchst, kannst du dich gerne bei mir melden. Gerne auch wenn du Tipps für leckeres Essen bei VPs hast 😀 Liebe Grüße und SportFrei 😉

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