Sport frei Michi

ZUT 2016 …

Zugspitz Ultra Trail 2016, da war er also, der Höhepunkt meiner Laufsaison und soviel vorweg, dass waren die 39 Kilometer des Basetrail XL, die Leute und die ganze Veranstaltung wirklich.

7:30 Uhr klingelte am Samstag, dem 18.06, der Wecker. Ich wachte in einem schönen Apartment mit Blick auf den höchsten Berg der Republik im Zugspitzdorf Grainau auf. Gut geschlafen hatte ich nicht, die 4,5 Stunden Stau auf der A9 stecken mir noch in den Knochen. Ich habe es am Vorabend gerade noch geschafft meine Startunterlagen zu holen, ein paar Lauffreunde zu treffen und etwas zu essen. 8:00 Uhr: Frühstück. Resi war so lieb und hat gestern noch eingekauft. Es gibt Nutella, ganz viel Nutella. Gegen 8:45 Uhr fahren wir dann zum Start nach Mittenwald. Mittlerweile sind die Läufer auf den längeren Distanzen schon unterwegs. Das Wetter schaut noch gut aus, ab 13:00 soll es regnen. Sofort beginnt der Kopf zu rattern, 10 Kilometer pro Stunde sollten drin sein und das würde bedeuten, dass nur die letzten 10 Kilometer im Regen gelaufen werden müssen. Dass das Unsinn war, würde ich noch schnell begreifen. 10 Uhr der Startschuss ertönt und ca. 240 Läufer machen sich auf den Weg nach Grainau.

Start

IMG_4545Die ersten Kilometer laufen gut. Die Sonne blinzelt ab und an durch die Wolkendecke. Die ersten Höhenmeter zum Lautersee werden noch gelaufen. Ich treffe einen Bekannten aus Nürnberg, wie klein die Läuferwelt ist. Am See fängt er an Bilder von der Landschaft zu machen, wir werden uns im Ziel wiedersehen. Vielleicht. Nach etwas mehr als einer halben Stunde bin ich an der ersten Verpflegungsstation. Der Himmel zieht langsam zu und einige Läufer ziehen sich bereits ihre Regensachen an. So langsam merke ich den Halbmarathon der vergangenen Woche. Meine Beine fühlen sich sehr fest an und das schon nach 6 Kilometern. Zweifel macht sich breit. Wie vermessen, hier ohne spezifisches Training anzutreten. Die nächste Verpflegungsstation wird zu meinem nächsten Ziel, Grainau aus meinen Kopf gestrichen.  Vorbei geht es am Schloss Grainau und hoch auf die Elmauer Alm. Einige Anstiege gehe ich mittlerweile, was meinen Beinen wirklich gut tut. Nach dem Wamberg geht es nur noch Berg ab, jeder Schritt schmerzt, ich werde überholt und versuche nicht zu langsam zu laufen. Ich sehne mich nach den schönen Anstiegen zurück. Gehen. Das Telefon klingelt und Resi fragt, ob ich schon bei der Partnach-Alm durch bin. Ich habe ihr gesagt, dass ich vermute dort nach 2,5 Stunden zu sein. Meine Prognose stimmt. Beinahe. Erst geht es hinunter ans Ende der Partnachklamm, um dann wieder auf die Partnach-Alm aufzusteigen. Die Strecke ist durch den Regen der letzten Tage ausgespült. Keiner überholt auf den schmalen Pfaden. Kaum sind wir unten angekommen, geht es auch schon wieder hoch. Im Gänsemarsch. Stille, kein Wort wird gesprochen, nur das schnelle Atmen der Läufer ist zu hören. Dann Klatschen, Kuhglocken, Stimmen, geschafft, die Partnach-Alm. Ich freue mich Resi zu sehen. Sie ist in Espandrillos, vorbei auf festbeschuhten Wanderern, auf die Alm gerannt, da sie Angst hatte mich zu verpassen. Sie ist die beste Unterstützung und Motivation an der Strecke und in meinem Herzen.

Halbzeit

sportograf-82139421… die Hälfte ist geschafft und freue mich auf den Anstieg zum Lengenfelder. Wirklich. Wahrscheinlich bin ich der Einzige hier, aber die Abstiege haben meinen Beinen der Rest gegeben. Endlich wieder gehen, endlich wieder Entenmarsch und wenn ich da oben bin, werde ich die nächsten Kilometer ins Ziel auch noch schaffen. Da bin ich mir sicher. Grainau kommt mir wieder in den Kopf. Regen setzt ein. Beim Aufstieg erlebe ich dann meinen körperlichen Tiefpunkt. Zum ersten Mal wird mir während eines Laufes schwindlig, ich bekomme Seitenstechen, meine Beine werden wacklig. Was würde ich jetzt für Stöcke geben. Egal, Schritt für Schritt, Höhenmeter für Höhenmeter. Schon sehr weit unten kann man die jubelnden Leute oben hören. Nur noch da rauf. Sie schreien, läuten mit Kuhglocken und feuern jeden einzelnen Läufer an. Gänsehaut pur. Schmerzen? Fehlanzeige. Adrenalin durchströmt meinen Körper, ein unbeschreibliches Gefühlt. Wie können Schmerz und Freude so nah zusammenliegen?

Auf zum höchsten Punkt

… noch etwas mehr als 10 Kilometer. Der Tee am Verpflegungspunkt hat gut getan. Die Beine wollen wieder, können wieder und ich komme mit ein paar Läufern ins Gespräch. Es wird kälter und trüber. Meine Armlinge und Weste kommen zum Einsatz. Im Winter machen die Pisten um den Osterfelderkopf mehr Spass. Hinter mir fragt mich eine Stimme, ob ich das hier freiwillig mache. Ich sage, dass ich nichts Besserer vor hatte. Die Stimme gehört zu Joachim aus Stuttgart, der sich von seinem Kumpel zu diesem Lauf hat überreden lassen. Sein Kumpel ist wohl irgendwie hinter ihm und er will jetzt nur noch ankommen. Wir verstehen uns auf anhieb und laufen den Rest der Strecke gemeinsam. Der Rest der Strecke ist Abstieg, ein 9 Kilometer langer Abstieg. Egal wir kommen an. Irgendwie. Irgendwann. Nur nicht unter 5 Stunden. Dieses Ziel hatten wir uns beide zurechtgelegt, doch die Zeit war uns schon lange völlig egal. Da war er der höchste Punkt und …

Jetzt nur noch runter

sportograf-82142483Schmerzen, Vorfreude auf das Ziel, wieder Schmerzen und die Kilometer auf der Uhr, die sich langsam auf die 39 zu bewegten. Der Regen hatte aufgehört und die Sonne lies Grainau in weiter Ferne unter unseren Füßen erstrahlen. Jetzt nur noch da runter und dann haben wir es geschafft. Joachim muss gleich im Anschluss zurück nach Stuttgart. Über die Frage was wäre, wenn er morgen zur Siegerehrung müsste, konnte er nur lachen. Eins ist sicher, ich kann heute kein Gaspedal mehr durchtreten. Die Höhenmeter ziehen langsam an uns vorüber und wir laufen mittlerweile in dichtem Wald. Der Weg ist ausgewaschen und man muss sich jeden Schritt zweimal überlegen. Was nach 5 Stunden nicht mehr so leicht ist. Ich muss an die anderen Läufer denken, die den Abstieg noch vor sich haben und ihn sogar in der Nacht machen müssen. Dann denke ich, dass der Basetrail XL für meinen Einstieg in die Trailrunning-Welt genau richtig war. Grainau. Nur noch zwei Kilometer. Joachim, Endspurt. Er reagiert erst etwas verhalten und wird dann noch mal richtig schnell. Wir sind uns allerdings auch wieder schnell einig, dass das keine so gute Idee war und verlangsamen das Tempo wieder. Wir müssen lachen. Die Stimmung ist gut, wir scherzen und laufen gemeinsam über die Ziellinie.

Ende gut alles gut

… geschafft. Wir liegen uns in den Armen und holen unsere Medaillen ab. Ich sehe Resi und freu mich tierisch und dann steht da noch Andreas, der extra aus München gekommen war, um mich im Ziel zu empfangen. Eine wundervolle Überraschung, ein wunderschöner Lauf mit Höhen und tiefen und irgendwie dann doch ein perfekter Tag.

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Vielen Dank an Resi, Andreas, Joachim und an Katrin für die vielen Tipps. Das nächste Mal schaffst die Zugspitze 😉

In diesem Sinne,

#SportFrei

michi • 23. Juni 2016


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