Sport frei Michi

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Das schönste Ziel der Welt ist in Schmiedelfeld …

… doch was, wenn man es nicht erreicht? Das war die Frage, die mich die letzten Wochen quälte. Nach meiner Trainingseinheit am Moritzberg bekam ich meine Knieschmerzen trotz mehrtägigen Pausen nicht mehr los. Während des Moritzberglaufes habe ich mit Voltaren gedopt, beim Wings For Life World Run in München hatte ich nach ca. 5 km Knieschmerzen und jetzt sollte der Rennsteig mein erster Marathon werden ?

Vorbereitung

… Fehlanzeige, bis dato bin ich im Mai 31 Kilometer gelaufen, was dieses Jahr bisher mein persönlicher Trainingstiefpunkt ist. Letzten Dienstag dann noch mal ca. 6 Kilometer, um nicht gänzlich unvorbereitet an den Start zu gehen und um vielleicht noch ein Wunder zu erleben. Pustekuchen: Knieschmerzen. War mein Start in Thüringen gefährdet? Das konnte mir nur mein Orthopäde sagen, den ich am Tag darauf konsultierte. Gute Nachricht: Sehnen und Meniskus sind in Ordnung. Schlechte Nachricht: die Schmerzen könnten von meiner Plica oder bereits von einem Knorpelschaden selbst kommen. Beides kann nur durch ein MRT beantwortet werden. Gute Nachricht: laut Arzt kann ich starten und soll einfach aufhören wenn die Schmerzen zu groß sind.

Rennsteig

So einfach ist das allerdings nicht, wenn man einmal die legendäre Atomsphäre des Rennsteigs gespürt hat und genau aus diesem Grund ihn für den ersten Marathon ausgewählt hat. Nun laufe ich noch nicht so lange, doch bei welchem Event schunkeln beim Start alle Läufer und singen lauthals den Schneewalzer ?

Start

Ich befinde mich also mit diesen 16.382 Verrückten (über alle Läufe hinweg) an der Startlinie und um 9.00 Uhr ertönte der Startschuss des Marathons. Natürlich geht es gleich Aufi, durch Neuhaus hindurch und schon nach ein paar Metern treffe ich eine Instagram Bekanntschaft, den Michlrunner. Wie schön klein doch diese Läuferwelt ist. Nach einem kurzen Gespräch ist der Michl auch schon wieder weg und es geht Richtung Thüringer Wald. Dachte ich, doch die ersten 6 Kilometer gehen entlang der Bundesstraße 182. Gift für mein Knie und Gift für Resi, die mich natürlich begleitete und mich bei der zweiten Verpflegungsstation (nach 10,6 km) anfeuern wollte. Zonk.Rennsteig Start

Taktik

Scott Jurek hat geschrieben, dass man sich bei längeren Läufen nie auf das Ziel konzentrieren sollte. Viel wichtiger sei es, sich kleine Teilziele zu stecken. Klingt logisch und wurde sofort mit derer 4 adaptiert. Bei der Verpflegungsstation Dreistromstein (nach 10,6km) wollte ich Voltaren nehmen, nach dem Halbmarathon sollte es dann mit der Beschallung beginnen und zwar mit dem neuen Podcast von Schulz und Böhmermann (ein Notfall-Volatren hatte ich auch noch bei) und ab 30 Kilometern sollte mich meine Laufplaylist ins Ziel tragen. Die 30k waren auch meine Wandergrenze, heisst, wenn diese Zahl auf meiner Laufuhr steht, würde ich die restlichen Kilometer auch ins Ziel wandern um zu finishen. Aber irgendwie kommt dann doch alles anders beim ersten …

Marathon

… denn am Ende musste ich nicht wandern, am Ende hatte ich auch kein Notfall-Voltaren mehr in der Tasche, am Ende hat mein Magen mehr Probleme gemacht als mein Knie (was mit dem Notfall-Voltaren zusammenhängen könnte), am Ende hab ich nix von Schulz und Böhmermann gehört und am Ende ist der Michi ein Marathon-Mann. Ja genau, ich habe es geschafft.

Die ersten Kilometer haben sich wirklich gut angefühlt, woran mein Doping bestimmt nicht unschuldig war. Das ständige Auf und Ab störten mein Knie nicht und daher ging „eingrooven“ ganz gut. Dann habe ich auch noch Katrin getroffen – kleine schöne Läuferwelt – konnte sie kurz begrüssen und ein paar Worte mit ihr wechseln. Im Allgemeinen ist das so am Rennsteig, man spricht miteinander, man lacht miteinander und man motiviert sich miteinander. Kurze Zeit später kam ich bspw. mit zwei Läufern ins Gespräch. Der eine, Lars, war im 100 Marathon Club und lief seinen 12 Marathon in diesem Jahr!!! Ich musste kurz überschlagen ob das Jahr überhaupt schon 12 Wochenenden hatte. Ein verrückter Typ. Die zwei Jungs waren sehr überrascht, dass ich den Rennsteig als meinen ersten Marathon ausgesucht hatte und das ich mit Knieproblemen überhaupt gestartet bin. Egal, der erste Marathon muss gefinisht werden und falls ich Probleme haben sollte, soll ich auf sie warten und wir würden dann gemeinsam ins Ziel gehen. Klasse Jungs!

Bei Kilometer 26 klingelte dann mein Handy: „Hi Schatz, wo bist du?“, „Kilometer 26“, „ja cool, ich Rennsteig kurz vorm Zielstehe bei Kilometer 27 und warte auf dich“. Motivation pur. Später erfuhr ich, dass Resi die ganze Zeit mit dem Auto unterwegs war, sie hat mich an drei Stellen angefeuert und es dann allerdings nicht mehr rechtzeitig ins Ziel geschafft, da Schmiedelfeld aus allen Nähten platzte. Als sie mich gesehen hat, war ihr sofort klar, dass ich es schaffen werde und so langsam habe ich dann auch daran geglaubt. Dieses Gefühl hat mir auf den letzten Kilometer noch besonders viel Kraft gegeben und ich konnte noch einmal so richtig „ballern“ … oder das was man als „ballern“ nach 30 Kilometer bezeichnen würde. Egal, 10 km später musste ich dafür mit Wadenkrämpfen büßen und mir war bewusst, dass der Anstieg zum Ziel noch mal so richtig hart und schmerzhaft werden würde.

Ziel

Doch das war ein Irrtum, der gesamte Weg zum Sportplatz war voll mit Zuschauern. Jeder Läufer wurde angefeuert, angetrieben und motiviert. Es wurden Namen gerufen, Lärm gemacht, gesungen, in die Hände geklatscht und jeder wurde ins Ziel getragen. Rennsteig!

Am Ende war ich dann doch Marathon-Mann, am Ende standen 4:19:31 auf der Uhr, am Ende freue ich mich, dass ich so viele nette Menschen treffen durfte und am Ende ist Schmiedelfeld für mich das schönste Ziel der Welt.

In diesem Sinne,

#SportFrei

michi • 22. Mai 2016


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Comments

  1. Frank 23. Mai 2016 - 8:19 Reply

    Na, herzlichen Glückwunsch zu deinem Finish. Irgendwann werde ich auch mal den Rennsteig machen. Freut mich das es doch geklappt hat, du „Marathon-Man“

    • michi 23. Mai 2016 - 8:50 Reply

      Hi Frank, musst du auf jeden Fall machen es lohnt sich und natürlich nicht ohne mich 😉 gemeinsam sind wir dann die „Marathon-Men“ 😀

  2. Philipp 23. Mai 2016 - 8:26 Reply

    Herzlichen Glückwunsch zum ersten Finish? gute Erholung und auf zu den nächsten Zielen.

    • michi 23. Mai 2016 - 8:58 Reply

      Danke Philipp, gestern war wirklich der Horror. Ich hatte echt Problem die Grünphase einer Fussgängerampel zu schaffen 😀 Nächste Ziele, gutes Stichwort, wir müssen mal über den Hartfüssler reden.

  3. Katja 23. Mai 2016 - 8:49 Reply

    Gratulation zum ersten Marathon und dann auch noch am Rennsteig! Aber ganz ehrlich? Starten unter Schmerzmitteln ist wirklich nicht die beste Idee und ganz sicher nicht das, was der Orthopäde meinte. Mit sowas schrottest du dein Knie auch schnell mal richtig und dann kannst du das mit den Ultras an den Nagel hängen, bevor du überhaupt damit angefangen hast. Hab ein bisschen Geduld und gib deinem Körper die Zeit, die er braucht. Ist wirklich nicht böse gemeint, aber ich kenne ein paar zu viele dauerverletzte Läufer…

    • michi 23. Mai 2016 - 9:10 Reply

      Hi Katja, danke dir 😉 Mit dem Voltaren hast du natürlich vollkommen recht, zumal ich eigentlich gegen jeglich Schmerzmittel bin und nicht mal Aspirin bei Kopfschmerzen nehme. Genau aus diesem Grund sind auch meine Ultrapläne bis auf Weiteres verschoben und nächste Woche geht’s dann wieder ins MRT. Vor zwei Jahren konnte nichts bis auf eine kleine Plica festgestellt werden. Danach werden dann weiter Pläne geschmiedet 😉 Viele Grüße

  4. Marek 25. Mai 2016 - 9:13 Reply

    Hui, alles auf eine Karte gesetzt und am Ende gewonnen. Das sieht am Start auf jeden Fall etwas krasser aus als beim Supermarathon. Da war es eher ruhiger. Aber hast dich durchgekämpft und der Marathon ist ja nun nicht ohne, gerade mit den Höhenmetern. Glückwunsch!!!

    • michi 25. Mai 2016 - 9:21 Reply

      Hey Marek, danke dir. Ihr zwei habt auch meinen größten Respekt für den Supermarathon. Ca. bei Kilometer 40 habe ich gedacht, dass jetzt noch mal 30 unmöglich wären und ich schon mit den nächsten 3 zu tun habe 😉 Starke Leistung eines starken Teams!

  5. Michael 26. Mai 2016 - 9:39 Reply

    Gratulation zum ersten Marathon! Hut ab und vor allem gute Besserung für dein Knie…

    • michi 5. Juni 2016 - 19:32 Reply

      Hi Michael, vielen Dank. Ich habe immer noch ein Grinsen im Gesicht, wenn ich daran denken muss 😉 Am Mittwoch geht es ins MRT und danach weiss ich mehr. Viele Grüße ins schöne Österreich.

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