Sport frei Michi

Den halben Jubiläumsgrat …

… haben wir uns am zweiten Septemberwochenende vorgenommen. Der Plan war am Sonntag nach Ehrwald zu fahren, von dort über das Gatterl zurück nach good ol‘ Germany zu gehen, um dann in der Knorrhütte zu nächtigen. Am nächsten Tag sollte es über den Brunntalsteig zum Jubigrat und dann Zugspitze gehen.

Der Wettergott …

… wusste wohl nicht so richtig was er mit uns anfangen sollte. Waren die Aussichten während der Woche nicht so optimal, schenkte er uns am Sonntag Nachmittag und am Montag bis 18 Uhr ein durchaus passables Wetterfenster.  Am Sonntag hat die Prognose auch noch gestimmt und wir konnten ziemlich schnell bei einem wundervollen Sonnenuntergang zur Knorrhütte aufsteigen. Am Montag schlug das Wetter früher als erhofft um. Früher bedeutet 10 Stunden eher, aber dazu später mehr.

Von Ehrwald zur Knorrhütte …

… ging es vorerst mit der Ehrwalder Almbahn (Parken im Sommer kostenlos) bis zur Ehrwalder Alm, wo wir gegen 15 Uhr aufbrachen. 1,45 Stunden später standen wir das erste Mal am berühmten Gatterl. Auf dem Weg kam uns ein Mountainbiker entgegen, der von der Zugspitze Richtung Tal unterwegs war. Unterwegs sein hiess einen großen Teil des steinigen Pfades schieben, aber Zitat: „ne Mordsgaudi“ :-). Der Radler war einer der wenigen Menschen die wir unterwegs getroffen haben. Wenn man also „allein“ unterwegs sein möchte, kann ich nur empfehlen etwas später aufzubrechen. In der Knorrhütte gibt es bis 20 Uhr warme Küche. Vom Gatterl hatten wir dann das erste Mal den Blick auf unser morgiges Projekt. Wenn man den Brunntalsteig aus dieser Entfernung sieht, fällt es schwer einen Pfad durch dieses unwegsamen Gelände zu finden. Na ja irgendwie wird das morgen schon gehen, auf zum Abendessen. Gegen 18 Uhr erreichten wir dann unser Tagesziel, bezogen unser Lager und liessen den Tag mit gutem Essen und der ein oder anderen klaren Spirituose ausklingen. Getreu dem Motto: „Den Klaren sieht die Leber nicht“

Der Brunntalsteig und Jubiläumsgrat …

… sind bei schlechtem Wetter ziemlich fad. Genauso schlecht wie der Reim wurde dann nämlich auch das Wetter. Gegen 7:30 Uhr ging es noch bei leicht bewölktem Himmel aufi, kurz darauf hüllte sich der Steig in Nebel und erschwerte uns ziemlich die Sicht. An Ausblick war nicht mehr zu denken. Trotz alledem kamen wir noch gut voran und wurden nicht vom Grat geweht. Ein Salamander kündigte dann allerdings den Regen an. Am Anfang waren wir noch optimistisch und vermuteten, dass der kleine Kerl sich etwas in der Zeit geirrt hatte. Ich glaube er hatte in dem Moment ein breites Grinsen im Gesicht, denn kurz darauf begann der Regen. Was soll’s, wir hatten ja für alles vorgesorgt, sogar Steigeisen waren ganz tief im Rucksack vergraben, dort wo wir sie auch gern lassen wollten. Bis zur Kreuzung mit dem Jubigrat hat sich das Wetter kontinuierlich verschlechtert, aus Schauern wurde Regen aus leichten Windböen wurde starker Wind und selbst alle Lagen unserer Kleidung konnten uns nicht mehr trocken halten. Regenhose durch, Softshell durch, Regenjacke durch und aus den Schuhen spritze beim Auftretend das Wasser heraus.

Zeit für warme Gedanken …

… denn Aufwärmen war nun nicht mehr möglich. In solchen Situationen mache ich ständig Bestandsaufnahmen: Wie fühle ich mich? Dem Umständen entsprechend ganz gut. Es ist zwar alles nass, aber ich bin noch bei Kräften und wenn ich nicht stehen bleibe, kühle ich auch nicht so schnell aus. Wie weit bin ich gekommen und wie weit ist es noch? Die Frage liess sich nicht wirklich gut beantworten, da wir wirklich keine Sicht hatten und man seinen Fortschritt bei der persönlichen Erstbegehung schlecht einschätzen kann.  Wieviel Zeit habe ich noch? Joa, das Mittagessen auf der Hütte werden wir wohl verpassen, das Abendbrot allerdings nicht. Wenn wir uns konzentrieren, nicht stehenbleiben und einen Schritt vor den anderen setzen, sollte alles gut gehen. Das ging es dann auch, gegen 13:30 Uhr haben wir das Gipfelkreuz erreicht und freuten uns auf das Aufwärmen und Essen im Münchner Haus.

Vorsicht Bergsteiger …

… hiess es dann in der Alpenvereinshütte. Nachdem wir mehrere Minuten im Eingangsbereich standen und schon jemand an uns vorüber in die Küche gegangen ist, wurden wir dann vom Wirt mit den Worten begrüsst, dass heute noch keiner da war. Diese beantworteten wir damit, dass wir unterwegs auch keinen gesehen haben und wir uns gerne Aufwärmen und etwas Essen wollen. Nach Aussage des Wirts gibt es aber keinen Trockenraum und die Küche bliebe heute auch kalt, aber in der Bergstation ist wohl alles reichlich vorhanden, sogar Duschen gäbe es da. Am Ende haben wir unsere Sachen über einem Händetrockner – Mr. Bean lässt grüssen – angetrocknet und im Restaurant gegessen. Welch ruhmvoller Abschluss dieser anspruchsvollen Bergtour.

michi • 2. Oktober 2015


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