Sport frei Michi

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Südwestpark FunRun 2015 …

… es war also so weit. Okay, das Training der letzten Wochen hätte etwas besser laufen können, doch jetzt wollte ich nur noch laufen, durchkommen und das ohne größer Beschwerden im Oberschenkel und natürlich in meiner Zielzeit. Wenn die Peripherie hält, sollten die 43 Minuten kein Problem sein und das Wetter war auch auf meiner Seite: 24 Grad bewölkt.

17 Uhr ging es mit Andreas von der Arbeit los und … Stau, überall, ich habe schon mein Warmlaufen davonlaufen sehen. Für Profis und seit neuestem auf für mich ein obligatorisches Ritual, mit dem ich bei meinem Oberschenkel um Schmerzfreiheit buhlen wollte. Also ad-hoc Staumassage desselben und mit technischen Hilfsmitteln nach Alternativen suchen:  „Alternativroute berechnet, voraussichtliche Ankunftszeit 17:45 Uhr, bitte umkehren“

Nach der Ankunft ging alles ganz schnell: Startunterlagen holen, im Parkhaus umziehen, zur Freude oder zum Entsetzten der besser vorbereiteten Läufer(innen), Angsttoilettengang, Fotos für ein Team mit gemalten Schnurrbärten machen, Oberschenkel besänftigen, schnell zum Start und plötzlich die Herausforderung der Startaufstellung. Ich überhole lieber als überholt zu werden. Also ordne ich mich natürlich häufig im hinteren Bereich ein, um dann mit geschwollener Brust und Schnappatmung durch das Läuferfeld zu walzen. Diesmal wäre das aber kontraproduktiv, da mir sicher bei dem ein oder anderen Überholmanöver wichtige Sekunden verloren gingen würde und ich würde ja jede Sekunde brauchen. Also am besten einen Mittelweg finden … plötzlich der Startschuss und bereits nach 3 Sekunden überquere ich die Startlinie,  schneller als gewohnt und viel schneller als erwartet.

Wie von der Tarantel gestochen spurte ich los. Nicht nur ich, mein Herz auch, weshalb ich mich zu dem Gedankenspiel „Läufer stirbt durch Tranatelstich im Nürnberger Südwestpark“ hinreissen lasse. Ein Blick auf die Pulsuhr sollte mir Gewissheit bringen. 18:32 Uhr stand da, was auf der einen Seite bedeutete, dass wir pünktlich gestartet sind und auf der anderen Seite, dass ich vergessen hatte meine Pulsuhr zu starten. Sch…., das nachträglich Starten selbiger kostet bestimmt wieder wertvolle Sekunden und überhaupt fühlte ich mich, als würden dafür jetzt schon alle Kraftreserven draufgehen. Start verbockt würde ich sagen.

Auf den ersten Metern habe ich dann noch Philipp getroffen, kurz abgecheckt,  einen Guten Lauf gewünscht und schon stand ich an der ersten Steigung. Steigung? Eigentlich nicht, aber für mich in dem Moment der Everest und genau den zeichnete ich auch in dem Moment mit meiner Herzkurve. Ich war nach dem ersten Kilometer bereits total ausgepowert, was mich bei einer Zeit von 3:30 min im Nachhinein nicht wundert und wofür ich im weiteren Verlauf zahlen musste. Jeder Schritt viel mir schwerer und von Kilometer zu Kilometer wurde ich langsamer. Alle 1000 Meter die Rechnung, geht es auf, kann ich es schaffen, muss ich in der Geschwindigkeit weiterlaufen, was passiert wenn ich langsamer werde, wie langsam? Überlegungen, die von mal zu mal schwieriger wurden. Ich begann mich auf Punkte der Strecke zu fixieren. Den Anstieg zum Main-Donau-Kanal, das Gebäude der Datev, die Versorgungsstation mit Aperol-Spritz … !?! – oha es ist soweit, ich sollte über Aufhören nachdenken, vorbei und natürlich sollte ich mich auf meine Power-Musik konzentrieren. Ich hatte mir vor dem Lauf eine Playlist in der Länge von genau 43 Minuten zusammengestellt, nur bekam ich aktuell nichts davon mit. Keinen Adrenalinschub durch einen Powersong, keine flinkeren Beine synchron zu den Bässen, jedes Lied war nur noch eine weiterer Punkt auf der Strecke. Wenn ich den Song geschafft habe, bin ich einen Kilometer näher am Ziel.

Am Kanal ist eigentlich Endspurt angesagt. Eigentlich? Für viele Läufer war es so und ich wurde nach hinten durchgereicht. Irgendwann hat mich ein kleiner Junge mit ca. 8 – 10 Jahren überholt und richtig Gas gegeben. Sollte ich etwa alt werden? Nein, der Kleine wiegt ja viel weniger, hatte bestimmt Schulfrei und seine Mutter hat ihm vor dem Rennen noch mit Nutella gedopt und das neuste Lego von Star-Wars versprochen, wenn, ja wenn er einfach nur schneller ist als dieser schnaufende Typ, der gerade darüber nachdenkt, ob er mit der Aussicht auf einen Lego Star-Wars X-Fighter schneller im Ziel wäre. Meinen großen Respekt für den kleinen Läufer.

Die restliche Strecke bestand von Kilometermarke zu Kilometermarke aus reinem Leiden. Jedenfalls schmerzte mittlerweile alles so sehr, dass ich meinen Oberschenkel nicht mehr spüren konnte. Das war das erste positive Erlebnis bei diesem Lauf und endlich ging es vom Kanal zurück nach Gebersdorf. Der letzte Kilometer, die letzte Ansage der Strava-Stimme und plötzlich war mir klar, dass ich meine Zielzeit erreichen werde. Freude? Keine Chance, aber das zweite positive Erlebnis. Das dritte positive Erlebnis war, dass meine Freundin trotz akuter gesundheitlicher Probleme kurz vor dem Ziel auf mich wartete und mich anfeuerte. Plötzlich war wieder alles gut und nach der heissen Dusche, einem großen Löffel aus dem Nutella Glas und der Bestellung im Lego-Online-Shop, war alles verdrängt und gar nicht mehr so schlimm. 😀

Südwestpark FunRun 2015: 40:54 Minuten

PS: die Aperol-Versorgungsstation war kein Nahtoderlebnis oder Fata Morganga. Ein Mädellaufclub hatte diese super Idee. Die Mädels haben das Motto besser verstanden als ich 😉

michi • 23. Juni 2015


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